Fragen und Antworten zu Neurofeedbackprotokollen

Frage:

Mit NFB-Training wird die Amplitudenstärke bestimmter Frequenzen trainiert, korrigiert und nicht die Anzahl der bestimmten Wellen, wenn ich es richtig verstanden habe?

Das würde heißen, dass Störungen nicht auf der Anzahl der bestimmten Frequenzbänder beruhen, wenn es heißt "zu viel/zu wenig Theta", sondern dass die Spannung zu hoch oder zu niedrig ist - die Amplitudenstärke? Dort "feuern" die Neuronen zu viel oder zu wenig, und durch Training wird dann dort reduziert/gesteigert und dadurch die "Energie" (durch chemische und elektrische Prozesse) gleichmäßiger verteilt?

Antwort:

Im klassischen Neurofeedback werden Amplituden in bestimmten Frequenzbändern trainiert. Man misst also die Amplitude des EEG Signals in einem Frequenzband und gibt Feedback proportional zu dieser Amplitude. Natürlich ist diese von Person zu Person verschieden, und so führt man Schwellwerte ein, die für jede Person individuell eingestellt werden können. Ist die Amplitude über der Schwelle, ist das Feedback anders als wenn sie unterhalb ist. Die meisten Neurofeedbackansätze arbeiten nach dieser Methode. Es ist möglich, mehrere EEGs gleichzeitig aufzunehmen, zu analysieren und aus dem Gesamtergebnis das Feedback zu steuern. Eine Methode, die seit langem sehr verbreitet ist, ist das Beta-SMR Training. Es werden zwei EEGs abgeleitet eines links, eines rechts. Die linke Seite bekommt 'Rewards' für Frequenzen im Bereich 15-18Hz, die rechte für 12-15Hz. Weiterhin werden bei diesem klassischen Protokoll die Frequenzbänder ausserhalb ebenfalls mit Schwellen versehen, allerdings mit der umgekehrten Wirkung.

Interessanterweise ändert sich aber die Amplitude in einem Frequenzband nicht unbedingt in die Richtung, in die wir sie trainieren wollen. Beispiel: Wir trainieren 12-15Hz 'hoch'. Es kann sein, dass die Amplitude die gleiche bleibt oder sogar sinkt über die Sitzung oder Gesamtbehandlung. Grund dafür scheint zu sein, dass sich unser Gehirn gar nicht so für absolute Amplituden interessiert. Vielmehr geben wir durch den Vergleich mit einem Schwellwert ein sehr schnelles unmittelbares Feedback ans Gehirn - wir werten also die Aktivität in einem Frequenzband aus und zeigen sie dem Gehirn zurück. Dies ist dann eher wie Ausdauertraining, und was wir erreichen ist eine verbesserte Selbstregulierungsfähigkeit des Gehirns. Das EEG eines gut regulierten Gehirns zeigt aber kleine Amplituden, daher gehen also die Amplituden oft herunter, obwohl wir 'nach oben' trainieren.

Aus dem genannten klassischen Beta-SMR Protokoll wurden über die Zeit andere Protokolle entwickelt, so z.B. die bipolaren. Bei diesen wird nicht auf die absolute Amplitude an einer oder mehreren Stellen trainiert, sondern auf die Differenz zwischen zwei EEGs von unterschiedlichen Stellen. Das Gehirn scheint sich vielmehr für die im resultierenden Signal verborgenen Phasenbeziehungen zwischen den Elektrodenpositionen zu interessieren.

Relativ neu sind Trainingsprotokolle mit bipolarer EEG Aufnahme bei sehr niedrigen Frequenzen - hier werden Signale ausgewertet, die Zeitkonstanten von mehreren Sekunden haben. Auch in diesem 'Frequenzbereich' angesiedelt ist das SCP Training (Slow Cortical Potentials), das in Deutschland sehr viel studiert wurde.

Von 'zu viel Alpha' oder zu wenig dies oder zu viel das halte ich selber nicht viel. Nicht weil die Betrachtungsweise grundsätzlich falsch ist, aber mangels Erfahrung oder technischer Ausrüstung häufig mehr Kaffesatzleserei ist. Jedes Gehirn ist unterschiedlich - Leute mit diagnostizierten mentalen Störungen können ein 'perfektes' EEG haben, 'normale' Leute ein auffälliges. Wenn man es genau wissen will, kommt man um eine Analyse mit QEEG (also quantitatives EEG = mindestens 19 Elektroden und ein normierter Aufnahmeprozess), evozierten Potentialen und Vergleich mit einer normierten Datenbank nicht herum. Es geht aber auch weniger techniklastig: Eine gute Diagnose und Beobachtung des Patienten während des Trainings selbst und von Sitzung zu Sitzung kann ausreichend sein, um die Trainingsparameter zu optimieren und einen guten Behandlungserfolg zu erzielen (symptombasierter Ansatz, z.B. Othmermethode).

Man muss ein wenig aufpassen: In der Branche es viele Diskussionen und Äusserungen, die voll sind mit technischen Begriffen und neurophysiologischem Halbwissen, und als alleingültige Realität dargestellt werden. Schlussendlich haben wir es mit einem extrem komplexen Organ zu tun, das wir über extrem primitive Methoden belauschen. Es hat sich aber empirisch gezeigt, dass die Arbeit mit diesen primitiven Signalen prima funktioniert - nur eben, zuviel hineininterpretieren darf man wahrscheinlich nicht, solange man nicht mit komplexerem Equipment aufwartet.

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